Nun sind wir warm geworden und können etwas aktiver werden, denn auch durch den Mangel an Bewegung und Sauerstoff haben sich eine Vielzahl von sogenannten Zivilisationskrankheiten ausgebreitet.

Wie wir unsere Gefäße auf sanfte, aber wirkungsvolle Weise "trainieren" können, möchte ich dir nun etwas näher bringen. Es handelt sich hierbei um die Kneipp´schen Wasseranwendungen, die ich aus dem Buch mit dem Titel "DER KNEIPPARZT – DEIN BERATER " von Dr. med. Adolf Hoff zitieren möchte. Dort heißt es u.a.:

" »».... Die natürlichen Lebensreize und die naturgemäßen Heilmittel

Etwas Wissenschaft für Wißbegierige

Die kürzeste und prägnanteste Definition des Begriffes Leben lautet "Leben heißt, auf Reize reagieren können". Diesem Gesetz gehorcht das kleinste einzellige Lebewesen ebenso wie die Pflanze, das Tier und schließlich auch der menschliche Organismus Dies unterscheidet sie von der toten Substanz. Die natürliche Umwelt unserer Erdoberfläche läßt ständig eine große Zahl von Reizen auf alle Lebewesen einwirken. Ein jedes, sei es Pflanze oder Tier, reagiert auf seine spezifische Weise darauf. Die Wechselbeziehung zwischen Umweltreiz und der darauf folgenden Reaktion kennzeichnet nicht nur den Lebensvorgang sondern diese Wechselbeziehung ist sogar die Grundlage, die das Leben Überhaupt erst ermöglicht. Es leuchtet ein, daß die höher entwickelten Lebewesen, insbesondere der Mensch, zugrunde gehen würden, wenn wir sie von der Umwelt hermetisch abkapselten. Nun ist es aber keineswegs gleichgültig, wie und in welcher Form der Umweltreiz auf den Organismus einwirkt. Nehmen wir als Beispiel die Sonne. Sie ist die Spenderin aller Energien, die auf unserer Erdoberfläche wirksam sind, und damit Erhalterin allen Lebens. Wirkt sie zu stark ein, so vermag sie das Leben zum Erlöschen zu bringen, wie wir dies in den Wüsten vorfinden. Andererseits erstarrt das Leben dort, wo die Sonne nicht ausreichend einzuwirken vermag, wie an den Polarzonen unserer Erde. Genau so wie mit der Sonne verhält es sich mit allen übrigen Reizen und lebensfördernden Faktoren unserer Umwelt. Unsere Aufgabe besteht darin, zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig die goldene Mitte zu finden. Die Wissenschaftler ARNDT und SCHULZ formulierten dies in der nach ihnen benannten Regel „Kleine Reize fachen die Lebensfunktionen an, starke hemmen sie und stärkste heben sie auf“. Sie fügten noch eine weitere Erkenntnis hinzu, daß nämlich die einzelnen Menschen den gleichen Reiz verschieden empfinden und unterschiedlich darauf reagieren, je nach ihrer Verfassung oder ihrem derzeitigen Kräftezustand. Der gleiche Reiz kann also von einem Menschen als förderlich empfunden und von einer positiven Reaktion beantwortet werden, während er einem anderen Menschen schadet, da er für diesen zu stark ist. Diese Erkenntnis ist von grundlegender Bedeutung für die Anwendung der in den folgenden Abschnitten besprochenen natürlichen Heilreize. KNEIPP lehrte daher mit Recht: "Der kleinste Reiz, der eine heilsame Reaktion auslöst, ist der beste." Man hüte sich deshalb davor, gleich zu Anfang große und zu zahlreiche Anwendungen an sich oder am Kranken anzuwenden.

Der Ausgangspunkt der Naturheilkunde ist die Erkenntnis, daß in jedem Lebewesen eine Kraft wirkt, die wir als Naturheilkraft , bezeichnen und die das Leben erhält und verteidigt. Diese Lebenskraft hat ihren Sitz nicht in einem bestimmten Organ. Sie umfaßt den ganzen Organismus. Der berühmte Mediziner AUGUST BIER ordnete diese innere Kraft der Seele zu. Sie ist unsichtbar und unfaßbar. Sie ist nur erkennbar in ihren Auswirkungen, in ihrem Erfolg. Diese Erkenntnis ist uralt. Bereits vor über 2000 Jahren sagte HIPPOKRATES, ein griechischer Arzt: "Die Natur heilt, der Arzt behandelt." Jedes Lebewesen ist zweckmäßig mit dem ausgestattet, was es für die Erhaltung seines Lebens für die ihm zugedachte Zeitspanne benötigt. Der Tod ist Gesetz, und von der Geburt an ist das Leben bedroht. Der Lebensvorgang ist ein ständiger Verbrauch und ein immer wiederkehrender Wiederaufbau. Unser Organismus bezieht die für sein Leben notwendigen Energien aus seiner Umwelt. Der lebende Organismus ist so eingerichtet, daß er Störungen im Innern und Schädigungen von außen auszugleichen vermag. Je wirksamer die innere Lebenskraft selbst heftige Störungsreize und Schädigungen auszugleichen vermag, desto gesicherter ist der Gesundheitszustand. Die Vererbung spielt hierbei eine große Rolle. Es gibt Menschen die eine beneidenswerte Robustheit mitbekommen haben, und es gibt andere, die weniger stabil sind und anfälliger auf die Schädigungen der Umwelt reagieren. Die Vererbung ist aber nicht allein ausschlaggebend Nahrung, Licht, Luft und Sonne sind die Quellen, die uns die nötigen Energien zuführen. Des weiteren sind zur Inganghaltung des Lebensvorganges Reize notwendig, die im Organismus Reaktionen auslösen Auch diese Reize entstammen unserer naturbestimmten Umwelt und umgeben uns von Anbeginn an, d. h. solange das Menschengeschlecht auf dieser Erde wandelt.

Die natürlichen Heilreize, die der menschlichen Natur angemessen, daher also naturgemäß sind, unterstützen den Organismus bei der Wiederherstellung der Gesundheit und bei der Gesunderhaltung, und zwar auf den Wegen, die von der inneren Heilkraft beschritten werden. Die Kenntnis von den Wegen, die die Natur zur Heilung beschreitet ist ein altes Erfahrungsgut. Dieses Wissen und die Möglichkeit, den Organismus sinnvoll auf den von ihm beschrittenen Wegen zu unterstützen, stellt das Fundament des KNEIPP´schen Heilverfahrens dar.

.... Grundsätze und Regeln, die bei der Durchführung der KNEIPP´schen Wasseranwendungen zu beachten sind.

1. Will man eine kalte Wasseranwendung durchführen, so muß man sich vorher im Zustand der Wärme befinden. Man darf nicht frieren oder frösteln. Die Erwärmung kann durch Gehen, Gymnastik oder durch Aufenthalt im Bett erzielt werden. Bestehen kalte Füße, so nehme man zunächst ein warmes Fußbad.

2. Ist man erhitzt oder schwitzt man gar, so ist die Durchführung einer Kaltanwendung ohne weiteres möglich. Wichtig ist nur, daß die Herzaktion nicht übermäßig beschleunigt ist. In diesem Falle warte man eine kurze Zeit, bis die Herzaktion und eventuell auch die Atmung zur Ruhe gekommen sind.

3. Nach der Durchführung kalter Prozeduren ist für eine gründliche Wiedererwärmung zu sorgen. Diese erzielt man entweder im vorgewärmten Bett oder durch Bewegungen gymnastischer Art oder durch einen Spaziergang, den man sofort nach dem Ankleiden ausführt.

4. Die Wasseranwendungen sind in einem warmen Raume durchzuführen. Als einzige Ausnahme gelten die kalten Waschungen, wenn sie im Bett oder vom Bett aus durchgeführt werden.

5. Man nehme vor oder unmittelbar nach einer Mahlzeit keine Anwendung. Als Ausnahme gilt nur die Leibauflage, die im Anschluß an die Mahlzeit durchgeführt werden kann.

6. Zwischen den einzelnen Prozeduren ist eine Pause von mindestens zwei Stunden einzuhalten. Nur bei hochfiebernden Infektionskrankheiten wird ab und zu von diesem Grundsatz abgewichen.

7. Man führe alle Anwendungen ruhig und entspannt durch. In Eile, Hast, Spannung durchgeführte Maßnahmen entfalten keine heilsame Wirkung.

8. Kommt man mit dem kalten Wasser in Berührung, so vermeide man den zu Anfang oft gemachten Fehler, den Atem anzuhalten. Es ist wichtig, daß die Atmung ruhig und gleichmäßig weitergeht. Eine ruhige und entspannte Ausatmurig hat die Wirkung, daß der Kältereiz nicht mehr als unangenehm, empfunden wird.

9. Man mache sich vor der Durchführung einer Wasseranwendung mit deren Technik vollkommen vertraut, so daß man sie von Anfang bis Ende sicher beherrscht.

10. Man beachte, daß die in diesem Buch beschriebenen Behandlungsvorschläge eine tiefgehende Wirkung entfalten. Man führe nicht mehr Anwendungen durch, als vorgeschlagen sind, beginne zunächst mit den leichten und steigere sie wie vorgeschrieben.

Die wesentlichen und entscheidenden Heilwege seien im folgenden dargestellt:

..........  Die Güsse

Die Behandlung des Körpers mit fließendem Wasser ist in jedem Hause möglich, vorausgesetzt, daß man einen Schlauch mit Wasseranschluß im Badezimmer oder in der Waschküche besitzt. Als Gießschlauch dient ein gewöhnlicher Gummischlauch von etwa 2 cm lichter Weite und etwa 2,5 m Länge. Die vielfach im Badezimmer vorhandene Handbrause ist nur geeignet, wenn man das Sieb vorne abschraubt. Diese normalerweise vorhandenen Anschlüsse haben den Nachteil, daß sie einen zu engen Durchmesser haben. Die Anbringung des beschriebenen Gummischlauches ist aber ohne weiteres und ohne große Kosten überall möglich und sollte in keinem Haushalt fehlen. Mit der Brause läßt sich die günstige Wirkung der Güsse nicht erzielen!

Wie vor jeder Wasseranwendung, so muß auch bei den Güssen für gründliche Vorerwärmung Sorge getragen werden. Nach dem Guß werden die der Luft ausgesetzten Körperteile abgetrocknet. Von der übrigen Haut werden nur die anhaftenden Wassertropfen mit der Hand abgestreift und der Körper rasch bekleidet. Anschließend ist durch Bewegung oder im vorgewärmten Bett für gründliche Erwärmung zu sorgen. Die Güsse werden entweder von einer Hilfsperson ausgeführt, oder man verabfolgt sie sich selbst, was mit etwas Übung und Geschick bald möglich ist.

Zum Gießen wird die Wasserleitung so weit geöffnet, daß das Wasser bei senkrecht nach oben gehaltenem Schlauch etwa eine Hand breit aus der Mündung hervorsprudelt. Bei der Gießung muß streng vermieden werden, daß das Wasser aus größerer Entfernung auf den Körper auftritt. Die Entfernung der Schlauchmündung vom Körper betrage etwa 10 bis 15 cm. Man führt den Schlauch wie einen Bleistift zwischen Daumen und Zeigefinger. Die Mündung des Schlauches ist bis auf einzelne Ausnahmen stets abwärts gerichtet, wodurch ein ruhiges Abfließen des Wassers über die Körperfläche gewährleistet ist und die getroffenen Körperstellen ein breiter geschlossener Wassermantel umfließt. Jeder Guß beginnt an der Peripherie, und zwar stets auf der rechten Seite. Die Dauer eines Gusses richtet sich nach dem Eintritt der Reaktion, die nach außen hin als helle Rötung in Erscheinung tritt und subjektiv als angenehmes Wärmegefühl empfunden wird. Es ist wesentlich, daß ruhig und mit gleichmäßiger Schlauchführung gegossen wird. Vor größeren Güssen, insbesondere vor der kalten Abgießung, empfiehlt es sich, Stirn und Herzgegend vorher mit etwas kaltem Wasser zu benetzen, wodurch Beklemmungsgefühle vermieden werden. Führt man die Güsse in der Badewanne durch, so benötigt man ein kleines Holzgestell, am besten in Form einer Fußbank, die man in die Wanne stellt. Benutzt man die Waschküche als Gießraum, so ist ein Lattenrost zu besorgen, auf den man sich stellt. Für Arm-, Brust- und Oberguß ist außerdem ein Gestell erforderlich, dessen Form man auf Abbildung 13 erkennt. Diese Güsse können auch über die Wanne gebeugt durchgeführt werden.

Normalerweise werden die Güsse in kalter Form verabreicht. Will man aber wechselwarme Güsse durchführen, so benötigt man außerdem einen Warmwasseranschluß. Die Temperatur des heißen Wassers liegt bei etwa 38° bis 42°, die des kalten bei etwa 10 bis 15° C. Es wird zweimal zwischen warm und kalt gewechselt. Wir verwenden die Wechselgüsse bei mangelhaftem Reaktionsvermögen und dort, wo wir eine besonders starke Reaktion erzielen wollen.

Der Knieguß ist eine Begießung der Unterschenkel bis kurz oberhalb der Knie. Man beginnt an den rechten Zehen, führt den Wasserstrahl dreimal über den Fuß bis zur Ferse hin und zurück und steigt dann langsam an der Wade aufwärts bis zur Kniekehle. Hier hält man den Schlauch etwa zehn Sekunden lang so, daß die Rückseite des Unterschenkels von einem gleichmäßigen Wassermantel umspült wird. Man geht an der Innenseite wieder bis zur Ferse zurück und begießt den linken Unterschenkel in der gleichen Weise. Nachdem man hier an der Kniekehle zehn Sekunden verweilt hat, wechselt man, ohne erst wieder bis zur Ferse abwärts zu gehen, auf die rechte Kniekehle über und geht nach Eintreten der Reaktion auf die linke Seite zurück. Ist auch hier die Reaktion eingetreten, so führt man den Strahl an der Innenseite des Unterschenkels abwärts. Die Begießung der Vorderseite erfolgt in der gleichen Weise. Hier wird der Strahl bis über die Kniescheibe geführt.

Der Schenkelguß umfaßt die Begießung der Unter- und Oberschenkel bis zur Hüfte. Man beginnt rechts wie beim Knieguß, führt aber den Wasserstrahl langsam an der Außenseite des Beins bis zur Hüfte aufwärts und läßt von hier aus das Wasser über das Bein abfließen. Nach etwa zehn Sekunden geht man an der Innenseite des Unterschenkels bis zur Ferse abwärts und führt die gleiche Gießung links aus. Nach dem Verweilen an der linken Hüfte wechselt man unterhalb des Gesäßes mit dem Strahl auf die rechte Seite, steigt bis zur Hüfte und gießt von hier aus bis zum Eintritt der Reaktion. Ist diese eingetreten, geht es wieder zurück zur linken Hüfte und nach Eintritt der Reaktion hier an der Innenseite des linken Beines abwärts. Die Vorderseite wird in der gleichen Weise begossen. Der Wechsel zwischen links und rechts findet vorne etwa in der Mitte der Oberschenkel statt.

Der Armguß stellt eine Begießung beider Arme bis zur Schulterhöhe dar. Der Oberkörper ist vollständig zu entkleiden. Man beugt sich über eine Wanne oder ein besonderes Gestell und beginnt an der rechten Hand, fährt am Handrücken bis zur Schulter aufwärts, verweilt hier etwa zehn Sekunden und geht in gleicher Weise wieder abwärts. Der linke Arm wird genau so begossen. Nun wird der Guß nochmals rechts und links jeweils bis zum Eintritt der Reaktion wiederholt, wobei diesmal entlang der Innenseite der Arme und der Handinnenflächen abgegangen wird.

Der Brustguß wird in der gleichen Haltung wie der Armguß durchgeführt. Man beginnt an der rechten Hand, gießt langsam bis zur Schulter aufwärts, wo man eine kurze Zeit verweilt. Es folgt die Begießung des linken Armes. Nun gießt man rechts, an der Innenseite aufsteigend, bis zur Achselhöhle, hält hier die Schlauchmündung nach oben und gießt die Brust in Kreis- oder Achtertouren etwa zehn bis zwanzig Sekunden lang. Den Strahl führt man nun wieder langsam über den linken Arm abwärts.

Der Oberguß erfaßt den ganzen Oberkörper. Die Körperhaltung ist die gleiche wie bei den vorher beschriebenen Güssen. Man beginnt am rechten Arm, indem man den Strahl an der Innenseite bis zur Schulter aufwärts führt. Nach kurzem Verweilen geht es an der Außenseite des Armes bis zur Hand zurück. Nun begießt man den linken Arm in der gleichen Weise, geht dort aufwärts bis zur Achselhöhle und weiter zur Brust, die in Achter- oder Kreistouren begossen wird. Von der Brust geht man langsam über die Flanken (bei Selbstausführung über die Schulter) auf den Rücken, über den man das Wasser in breiter Fläche abfließen läßt. Den Schlauch hält man abwechselnd über die rechte und über die linke Seite des Rückens, wobei das Wasser über die Arme abfließt. Nach Eintritt der Reaktion wird der Guß über den linken Arm beendet.

Die Abgießung besteht in einer raschen, jedoch nicht hastigen, sondern gleichmäßig durchgeführten Begießung des ganzen Körpers. Man begießt zunächst beide Beine am rechten Fuß beginnend bis zur Hüfte, ohne dort zu verweilen. Von der linken Hüfte aus wechselt man über die Mitte der Oberschenkel bis zum rechten Arm und steigt dort aufwärts bis zur Schulter. Von hier aus läßt man das Wasser gleichmäßig über die rechte Körperhälfte fließen, derart, daß der größere Teil des Wassers über die Rückseite und der Rest über die Vorderseite abläuft. Man führt nun den Strahl über den rechten Arm abwärts bis zur Hand, greift den Schlauch jetzt mit der rechten Hand und wechselt über die Oberschenkel zur linken Hand. Der linke Arm wird nun langsam aufwärtsgießend begossen bis zur Schulter und von dort aus wird (in der gleichen Weise wie rechts beschrieben) das Wasser über die ganze linke Körperhälfte gegossen. Über den linken Arm abwärts gehend, beendet man diese Abgießung.

Das Herz- und Kreislauftraining und die Abhärtung

Die Zusammenstellung der Überschrift mag manchen Leser überraschen. Die Übung und Kräftigung des Herzens und des Kreislaufsystems und die Abhärtung sind untrennbar miteinander verbunden. Unter Verweichlichung verstehen wir meist eine Überempfindlichkeit gegen Temperaturschwankungen, insbesondere gegen Wärmeverlust. Wenn ein Mensch zu Erkältungen neigt und häufig von Katarrhen geplagt wird, so sagen wir, "er ist verweichlicht". Verweichlichung ist nichts anderes als die Folge einer mangelhaften Durchblutung der Haut und eines Versagens der Hautfunktionen. Die Wärmeregulation und damit die Anpassung der  Hautdurchblutung an die äußeren Temperaturverhältnisse ist im wesentlichen eine Funktion des peripheren Blutkreislaufs.

Betreiben wir abhärtende Maßnahmen, so erreichen wir gleichzeitig eine Verbesserung der Hautdurchblutung, eine Anregung der Hautfunktionen, eine verbesserte Anpassungsfähigkeit und Reaktionsbereitschaft des Blutkreislaufsystems und seiner nervalen Steuerung. Das Interessante und Erfreuliche aber bei dieser Angelegenheit ist, daß in dieses Training der Haut und des Kreislaufs das Herz mit einbezogen wird. Dieses wird ebenfalls in physiologischen Grenzen geübt. Durch den interessanten Zusammenhang zwischen Körperoberfläche und Herzmuskel, der wissenschaftlich bewiesen ist, ergibt sich die Tatsache, daß jede Maßnahme, die die Hautdurchblutung anregt, ebenfalls eine Verbesserung der Durchblutung des Herzmuskels herbeiführt. Wie dies zielbewußt und richtig gemacht wird, soll im folgenden besprochen werden.

Die Abhärtung hat schrittweise vorzugehen. Es ist natürlich abwegig, sich dadurch abhärten zu wollen, daß man möglichst viele Kleidungsstücke zu Hause läßt und sich frierend auf den Straßen oder im Freien bewegt oder daß man sich in eiskaltes Wasser stürzt, dem man blaugefroren und steif wieder entsteigt. Abhärtung geschieht keineswegs nach dem Motto "Verkühle dich täglich«. Selbstverständlich benötigen wir ein gewisses Maß von Selbstüberwindung und Konsequenz. Als Mittel zur Abhärtung dient uns der Kältereiz. Dieser kann uns aber nur gesundheitlich dienen, wenn wir uns zwei Grundsätze genau merken und stets danach handeln. Der erste lautet: "Bevor wir uns einem Kältereiz (Wasseranwendung) oder Luftbad) aussetzen, müssen wir uns im Zustand des subjektiven Wärmegefühls befinden! Der zweite, ebenso wichtige lautet:

"Nach Beendigung des Kältereizes ist durch sofortiges Ankleiden, durch ausgiebige Bewegung oder durch Aufsuchen des vorgewärmten Bettes für gründliche Wiedererwärmung zu sorgen."

Wir beginnen mit der Abhärtungskur am besten im Frühjahr. Morgens vom Bett aus führen wir die kalte Oberkörperwaschung aus. Am besten stellt man sich abends eine Schüssel mit Wasser ans Bett und ein Tuch dazu. Eine halbe Stunde vor dem Aufstehen führen wir die Waschung durch, legen, ohne abzutrocknen, das Nachtgewand wieder an und decken uns im Bett wieder warm zu. Hier tritt nun die Reaktion ein, die sich in einem angenehmen Wärmegefühl äußert. Sollte uns die Oberkörperwaschung im Anfang noch als zu anstrengend erscheinen, so genügt es, wenn wir zunächst mit einer kalten Waschung der Arme und schließlich mit einer Waschung der Vorderseite des Rumpfes beginnen. Nach einigen Tagen können wir die Oberkörperwaschung und nach ein bis zwei Wochen die Ganzwaschung durchführen.

Im Laufe des Tages, am besten um die Mittagszeit, nehmen wir ein kaltes Armbad von zunächst zehn Sekunden. Stellen wir fest, daß nach den anschließenden Bewegungen bald Erwärmung, also die Reaktion eintritt, so können wir in den nächsten Tagen das Armbad auf fünfzehn, schließlich zwanzig und dreißig Sekunden ausdehnen. Über eine halbe Minute gehen wir nicht hinaus.

Im Laufe des Nachmittags oder abends nach Dienstschluß führen wir das Wassertreten durch. Am praktischsten geschieht dies in der Badewanne, in die wir etwa 20 bis 30 cm hoch das Wasser haben einlaufen lassen. Auch hier beginnen wir mit zehn bis zwanzig Sekunden und steigern von Tag zu Tag bis zu einer Minute. Anschließend machen wir einen Spaziergang von einer halben bis zu einer Stunde.

Vor dem Zubettgehen führen wir nach dem Auskleiden ein Luftbad durch. Dies geschieht am vorteilhaftesten im gut gelüfteten Schlafzimmer bei offenem Fenster. Selbstverständlich setzen wir uns nicht der kalten Luft bewegungslos aus, sondern nehmen ein trockenes Tuch, am besten ein Frottiertuch und reiben damit den ganzen Körper systematisch ab. Dieses Trockenfrottieren geschieht kräftig und lebhaft. Wir reiben abwechselnd alle Hautpartien derart, daß eine deutliche Rötung zu erkennen ist, die mit einem angenehmen Wärmegefühl einhergeht. Die Reibebewegungen seien energisch, aber keineswegs so hastig, daß Kurzatmigkeit und Herzklopfen eintreten. Eine gewisse Beschleunigung der Herzaktion wird natürlich einsetzen. Dieses Luftbad mit Trockenfrottieren beginnen wir mit etwa zwei bis drei Minuten und steigern im Laufe der folgenden Tage auf etwa fünf bis zehn Minuten. Anschließend führen wir die übliche Reinigung und die Vorbereitung für die Nachtruhe durch und begeben uns zu Bett.

In der Kleidung betreiben wir einen langsamen, aber konsequenten Abbau der überflüssigen Stücke. Waren wir gewohnt, Wollkleidung unmittelbar auf der Haut zu tragen, so beginnen wir vor allem hiermit. Die Leibbinde aus Wollflanell ist als einzige Ausnahme in gewissen Fällen gestattet, und zwar bei chronischen Nierenleiden und bei Menschen, die einen empfindlichen Magen und Darm haben. Die Leibwäsche bestehe möglichst aus Baumwolle oder Linnen. Manche Gewebe aus Kunstfaserstoffen haben den großen Nachteil, daß sie zu wenig luftdurchlässig sind und andererseits die Hautausdünstungen, insbesondere die Hautfeuchtigkeit, nicht aufsaugen. Ist man an kalten Tagen oder während der kalten Jahreszeit genötigt, Wollkleidung anzulegen, so soll diese nicht unmittelbar der Haut aufliegen.

Haben wir vier bis sechs Wochen lang die beschriebenen Anwendungen durchgeführt und die Kleidung luftiger und leichter gestaltet, so führen wir noch einige Abwechslung in unserem Tagesplan ein. Statt der Waschung morgens hat sich besonders das kalte Halbbad bewährt. Wir beginnen mit sechs Sekunden und steigern langsam auf zehn Sekunden. An kühlen Tagen begeben wir uns anschließend noch eine halbe Stunde ins Bett zurück. Während der warmen Jahreszeit und nach Erreichung einer gewissen Abhärtung ist es angenehmer, sich nach dem kalten Halbbad sofort vollständig anzukleiden und durch energische Bewegung in Form von Gymnastik oder eines Spazierganges für gründliche Wiedererwärmung zu sorgen. Dieses Halbbad soll etwa zweimal wöchentlich durchgeführt werden.

Haben wir einen Schlauchanschluß an der Badewanne, so können wir täglich abwechselnd einen der folgenden Güsse durchführen: Armguß, Brustguß, Oberguß, Knieguß oder Schenkelguß.

Es vergehe kein Tag, an dem man nicht mindestens eine Anwendung durchgeführt hat, sei es auch nur die kalte Waschung. Zwei bis drei Anwendungen pro Tag sollten aber die Norm darstellen. Ein Schaden oder ein Nachteil kann dadurch niemals entstehen. Ich kenne eine große Zahl von Menschen, die seit Jahrzehnten täglich ihre KNElPPanwendungen durchführen. Ich selbst führe seit 40 Jahren täglich mindestens zwei, manchmal auch drei Anwendungen durch und habe nur eindeutigen Gewinn für die Gesundheit feststellen können.

Jeder, der nach diesen Gesichtspunkten und Ratschlägen verfährt, darf versichert sein, daß er keinen Erkältungskrankheiten und Katarrhen mehr zum Opfer fällt und daß sein Kreislauf stets intakt bleibt. ««

Die Bürstenmassage wenden wir entweder vor- oder nach den Wasseranwendungen an. Laß dich einfach von deinem Gefühl leiten, was dir gut tut.

Wer sich für die Einstimmung in den neuen Tag, genügend Zeit genommen hat, kann sich noch einigen Übungen aus dem YI JIN JING zuwenden. An dieser Stelle möchte ich absichtlich keine Übungsfolgen anbieten, weil dazu noch bestimmte Begriffe und Grundlagen aus dem YI JIN JING notwendig sind. Am Ende dieses Kapitels befindet sich ein kurzer Einblick in dieses Thema.

Nach diesen geistigen und körperlichen Übungen wirst du dich jeden Tag von neuem so gestärkt fühlen, daß die Erledigung deiner Aufgaben dir mit Freude, Dankbarkeit und Liebe gelingen werden.

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